TTC-Karte

Taxi-Topp-Card ( TTC ), GPS und der verlorene Datenschutz

 

Dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet - Beitrag und Meinung eines Kollegen

Die schöne, neue Welt der unbegrenzten Elektronik, deren auch wir uns gern bedienen, hat auch ihre dunklen Seiten. 
Die seit neuem personalisierte TTC,  also auf den jeweiligen Fahrer ausgestellte Zufahrtskarte für den Flughafen, ist nun in den Fokus des Hessischen Landesdatenschutzbeauftragten gerückt.
Anlass ist der Umstand, dass die Karten nicht mehr auf die Mieter, also die Taxibetriebe, ausgestellt sind, sondern auf den Fahrer und mit den persönlichen Daten des jeweiligen Fahrers verknüpft sind.
Schon der Vorgänger dieser Karte, die auf den jeweiligen Taxibetrieb ausgestellt war, gab Anlass zu Kritik.
Hier wurden schon die Ein –und Ausfahrtzeiten sowie Kurzfahrten registriert und gespeichert.
Und das, um einen öffentlichen Halteplatz, und nur solche Halteplätze gibt es dem Gesetz nach, in einem nicht sicherheitsrelevanten Bereich  anzufahren.
Mit der neuen Karte sind diese Daten mit Leichtigkeit nun auch dem jeweiligen Fahrer zuzuordnen.
Das heißt, man kann zum Beispiel die Einsatzzeiten, die Fahrzeiten, die Lenkzeiten, die Anzahl der Fahrten, und mit etwas Geschick auch die ungefähren Umsätze für jetzt und in alle Ewigkeit abfragen.
Denken Sie hierbei nur an die Arbeitszeitverordnung.
Jeder weis wohl, dass wir, um überleben zu können, in mindestens zwölf Stunden-Schichten arbeiten. Erlaubt ist es jedoch nicht.

Welch ein Erpressungspotential?

In Verbindung mit dem GPS, welches einige Betriebe nutzen, und dem Einsatz von Kreditkarten, ist es auch ohne Probleme möglich festzustellen, welchen Fahrgast Sie zu welcher Zeit von wo nach wo transportiert haben.

Weisen Sie Ihren Fahrgast auf diesen Umstand hin?

Haben Sie und Ihr Fahrgast eine Datenschutzerklärung vom Aussteller der TTC-Karte vorgelegt bekommen und diese mit Ihrer Unterschrift bewilligt?

Wurden Sie wenigstens durch den TTC-Kartenaussteller oder Vertreiber informiert, dass Daten gespeichert werden und um welche Daten es sich handelt?
Oder war man auch bei Ihnen derart arrogant und größenwahnsinnig, dass man es nicht für nötig befunden hat, Sie darüber zu informieren?

Nun sagt die Datenschutzbeauftragte der Fraport AG, dass dies alles kein Problem wäre und mit den Datenschutzgesetzen vereinbar wäre.
Die Begründung dazu wäre fast schon witzig, wenn die Sache nicht so ernst wäre:

"Die Kartennutzungsdaten werden  nur unter einer Code-Nummer bei der Fraport AG gespeichert und die persönlichen Daten unter dieser Code- Nummer nur bei der Taxivereinigung.
Und beiden Institutionen kann man ja vertrauen.“

Nun gibt es ja nichts Einfacheres als diese Daten miteinander zu verknüpfen -
und das mit dem Vertrauen. Na ja.

Was das Vertrauen gegenüber der Fraport AG angeht, mag sich jeder sein eigenes Bild machen. Man denke nur an den Druck auf die umliegenden Gemeinden und die „Kostenerstattung“ für die Ticona im Rahmen des Ausbaus.
Aber wer traut schon jemanden, der seine Monopolstellung nutzt, um die eigenen Vereinsmitglieder und Kollegen schamlos unter Druck zu setzen und die Preise zu treiben, wie die Taxivereinigung Frankfurt e.V. dies tut?
Wer traut schon einer Taxivereinigung, die gegenüber ihrem Vertragspartner Fraport AG erklärt, sie hätte die Einwilligung von uns Karteninhabern und Betrieben, so dass diese Daten gespeichert werden dürfen?

Haben Sie diese Einwilligung unterschrieben?

Wer traut schon einer Taxivereinigung, die gegenüber der Fraport AG behauptet, sie benötige diese Daten zu Abrechnungszwecken und zur Rechnungslegung?
Oder gibt es unter uns Betriebe, die Verträge haben, in denen pro Anfahrt am Flughafen bezahlt wird?
Oder soll dieses als nächstes bei uns eingeführt werden?

Was wird so jemand in Zukunft tun, wenn sich erst genügend Daten für neue Begehrlichkeiten angesammelt haben?
Da traut man doch eher einem Löwen, der acht Tage nichts zu fressen hatte und einem versichert, er wäre an Menschenfleisch nicht interessiert. Er könne das Menschenfleisch wohl verdauen, aber dies sei gegen seine Natur und deswegen würde er Sie nie fressen.
Denn schon jetzt, liebe Mitunternehmer, entscheidet die TV über Ihr Personal.
Dem Größenwahnsinnigen sind nun mal keine Grenzen gesetzt.
Zuerst werden Sie mit überhöhten „Halteplatzmieten“ abgekocht und zusätzlich jeder Ihrer Fahrer mit den nicht nachvollziehbaren Gebühren für die TTC.
Und dann entscheidet die TV noch, welcher Fahrer den von Ihnen „angemieteten“ Halteplatz nutzen darf oder nicht. Egal ob Sie Miete für den öffentlichen Halteplatz gezahlt haben oder nicht.
Und das der Halteplatz öffentlich ist, steht fest, denn er liegt auf einem der Öffentlichkeit frei zugänglichen Bereich, wie bei jedem anderen Verkehrsflughafen bzw. Bahnhof.
Es geht sogar soweit, dass der Vorstand der TV als Gesetzgeber, Polizei und Ordnungsbehörde, Gericht und Staatskasse in einer Person auftritt.
Wie bereits erwähnt, der Größenwahn geht um.
Aber wenn Sie richtig wählen, sich für die „richtige“ Zentrale entscheiden und sich auch ansonsten TV-dienlich verhalten, haben Sie ja nichts zu befürchten.
Ach, natürlich können Sie auch mit Bargeld an den Hilfsfond einiges gutmachen. Je nachdem, wie das „TV-Gericht“ entscheidet.
Sollten Sie dies alles nicht wollen, reicht ja ein kleiner Hinweis, verbunden mit den gesammelten Daten, an das Arbeitsamt, den Zoll oder das Finanzamt.
Nicht, dass wir etwas gegenüber dem Finanzamt zu verheimlichen hätten, aber es wird ihnen keine der Dienstellen glauben, dass sie mit soviel Arbeitsstunden sowenig Geld verdienen, da ja jeder Mensch mit auch nur einem geringfügigen Restverstand nicht für einen solchen Stundenlohn arbeiten würde. Geschweige denn, dass man einen Mitarbeiter finden kann, der bereit ist, für einen Stundenlohn eines chinesischen Wanderarbeiters zu arbeiten.
Die ganze Situation ist so absurd, dass ich sie mit einem Vergleich beschreiben möchte.

Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Das Ordnungsamt in Frankfurt hat seine neue Liegenschaft von einem Hamburger Immobilienfonds gemietet.
Nun stellt dieser Immobilienfonds für die Mitarbeiter und Beamten des Ordnungsamtes eine Ausweiskarte aus, mit der sie das Gebäude und ihren Arbeitsplatz betreten und verlassen können.
Allerdings erhalten die Mitarbeiter diesen Ausweis nur, wenn sie sich vorher auf Diensttauglichkeit haben untersuchen lassen, sowie einen Nachweis erbracht haben, dass sie der Verwaltungstätigkeit befähigt sind. Der Ausweis ist zeitlich befristet und kostet den OA-Mitarbeiter rund 50 Euro.
Nun speichert der Immobilienfonds die Zeiten, wann der Beamte zum Dienst kommt und geht,  wann er Pause macht und für wie lange.
Außerdem kontrollieren Mitarbeiter des Immobilienfonds mit Klemmbrett unter dem Arm, ob auch alle Bleistifte gespitzt sind und die Beamten ein sauberes Hemd anhaben.
Sie kontrollieren die Sauberkeit der Besucherwarteräume und der Dienstzimmer.
Weiterhin kontrollieren sie, ob die Beamten auch freundlich und kompetent gegenüber dem Kunden sind und jegliche Serviceleistung kostenlos anbieten.
Dies alles protokollieren sie auf ihrem Klemmbrett und übertragen es später in die Datenbank des Immobilienfonds.
Sollte der Beamte unangenehm auffallen, wird er vom Immobilienfonds vorgeladen und vernommen. Es wird ihm dann die Zugangskarte gesperrt und er kann seinen Arbeitsplatz nicht mehr betreten.
Je nach Lust und Laune legt der Fonds dann eine Strafe fest, die das Ordnungsamt zu zahlen hat, eventuell eine „freiwillig“ höhere Mietzahlung, so dass die Beamten dann das angemietete Dienstgebäude wieder betreten und ihren Arbeitsplatz erreichen können.
Sollte der einzelne Beamte einmal nicht mit den Maßnahmen einverstanden sein, kann man ja mal seine Ehefrau informieren, dass er zum Beispiel mittwochs immer schon mittags Feierabend macht, aber nicht nach Hause geht.
Oder sollte der Ordnungsamtsleiter nicht von den verhängten Strafen begeistert sein, kann man ja den Rechnungshof informieren, dass die Mitarbeiter X und Y jede Woche zehn Minuten zuwenig im Dienst sind.

Sie sind der Meinung, dies alles ist dummes Zeug und nicht realistisch. Das ist so absurd, das gibt es überhaupt nicht.
Wieso?
Genau das passiert doch mit uns. So ähnlich am Bahnhof Mitte und genau so am Flughafen.
Nun, ich bin jedoch, auch wenn ihnen dies naiv erscheint, der Hoffnung, dass die Behörden dieses ungeheuerliche Verhalten über kurz unterbinden und die Speicherung der Daten verbieten werden.
Und wir sind der Hoffnung, dass sie, werte Kollegen, sich erinnern, wer den Vorstand und die Zentralen bezahlt und sie sich auf  Dauer nicht mehr erpressen lassen!
Fragen sie doch mal nach, welche Daten von Ihnen gespeichert sind und zu welchem Zweck.

Die Adresse des Hessischen Datenschutzbeauftragten lautet:

DER HESSISCHE DATENSCHUTZBEAUFTRAGTE
POSTFACH 31 63, 65021 WIESBADEN

Dort freut man sich über jeden Hinweis, Anregung und Frage.
Wir freuen uns schon auf Ihre konstruktive Kritik sowie Ihre Beiträge und Meinungen zu diesem Thema.
Und gespannt dürfen wir sein, was sich aus den Ermittlungen des Regierungspräsidiums in Darmstadt ergeben wird, welches vom Hessischen Datenschutzbeauftragten beauftragt wurde.
Hier wird nun auch in Sachen Datenschutz bei der Taxivereinigung ermittelt.
Wir werden sie informieren, sowie weitere Informationen vorliegen.

Mit kollegialem Gruß, ihr Taxiring-Frankfurt

zurück zum Brennpunkt

zurück zur Startseite